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September 2025

mit Falk Schweitzer

 

Rumänien, Siebenbürgen, die Moldauklöster und Bukarest

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Siebenbürgen als Orgellandschaft (Clubreise nach Rumänien 30.09.-6.10.2025)

Beitrag: Herbert Vennemann

Siebenbürgen als Orgellandschaft dürfte vielen Orgelfreunden nicht so bekannt sein wie etwa Nord- Holland oder der Nord- und Ostseeküstenraum mit den großen Stadtinstrumenten von Arp Schnitger und seinen Schülern.

Dennoch kann Siebenbürgen mit einer Fülle von historischen Orgeln aus der Zeit vom 17. bis frühen 20. Jahrhundert aufwarten. Viele davon zeigen einen bemerkenswerten Erhaltungszustand, auch hinsichtlich des originalen Pfeifenbestands, bei anderen ist zumindest noch die prächtige Schauseite, der Prospekt, im originalen Zustand zu bewundern.
Im protestantischen Gottesdienst spielten Orgeln und Orgelmusik immer schon eine herausragende Rolle. Nicht anders in Siebenbürgen, dessen deutschstämmige Bevölkerung sich bereits Mitte des 16. Jahrhunderts in großen Teilen der Reformation angeschlossen hatte. So verwundert es nicht, dass selbst kleine Gemeinden oft über ein ansehnliches Instrument verfügten. Dass es in diesem Teil Rumäniens noch einen so erheblichen Anteil an historischen Orgeln gibt, hat vermutlich mehrere Ursachen. Zum einen dürfte sich darin ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein widerspiegeln, das Änderungen im Zeitgeschmack nicht ohne weiteres zu übernehmen bereit war. Zum anderen werden in den ländlichen Gemeinden schlicht die finanziellen Mittel dazu gefehlt haben. Aus dem gleichen Grund unterblieben deshalb leider oft auch notwendige Instandsetzungsarbeiten. In der Spätzeit fehlten dazu auch die notwendigen Fachkräfte, und das gepaart mit dem notorischen Materialmangel in der kommunistischen Zeit. Durch den großen Exodus der Deutschen nach dem Fall des Ceaușescu- Regimes verschlimmerte sich die Lage für die Orgeln schließlich in dramatischer Weise. In den fluchtartig verlassenen Dörfern waren sie nunmehr dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. In dieser Situation wurde vielen Verantwortlichen klar, dass man die gefährdeten Instrumente nicht an ihrem ursprünglichen Standort belassen durfte.  Es wurde daher beschlossen, die wertvollsten von ihnen in größere und besser zu überwachende Kirchen zu überführen. So kommt es, dass man beispielsweise in Hermannstadt oder Kronstadt bis zu sechs Orgeln aus verschiedenen Stilepochen antrifft.
Bei unseren Besichtigungsfahrten fielen uns immer wieder sehenswerte Instrumente auf, auf denen aber leider nicht spontan gespielt werden durfte. Daher möchte ich wenigstens hier über einige der auffälligsten Orgeln ein paar beschreibende Bemerkungen folgen lassen.
Die erste Station unserer Rumänienreise war Hermannstadt. Die dortige Stadtpfarrkirche kann als gutes Beispiel für die oben beschriebene aktuelle Situation angesehen werden. Neben der großen, 1915 von der Firma Wilhem Sauer aus Frankfurt an der Oder für diese Kirche erbauten Orgel, finden sich dort nämlich inzwischen noch weitere vier Instrumente unterschiedlicher Provenienz.
Zu erwähnen sind hier vor allem ein Instrument von 1773 aus der evangelischen Kirche Stolzenburg, das seit 2022 in Hermannstadt steht, sowie eine Orgel aus Martinsberg. Für beide Instrumente wurde vertraglich festgeschrieben, dass sie zunächst Eigentum der jeweiligen Heimatgemeinden bleiben sollen.
Das herausragende Instrument in der Stadtpfarrkirche ist aber sicherlich die Hauptorgel von Wilhelm Sauer. In den Jahren 1914/15 erbaut, kann sie gleich mit zwei Superlativen aufwarten: mit 78 Registern auf vier Manualen und Pedal ist sie nämlich die größte Kirchenorgel Rumäniens.  Das Pfeifenwerk verbirgt sich hinter einem Prospekt aus dem Jahr 1672, der somit der älteste erhaltene in Siebenbürgen ist. Gleichzeitig repräsentiert sie eines der am besten erhaltenen Instrumente Sauers, von dem Orgeln vergleichbarer Größe noch im Berliner oder im Bremer Dom zu erleben sind. Auf ihr lässt sich besonders gut spätromantische Musik, etwa die Max Regers, klanglich authentisch darstellen, was anderenorts nicht mehr möglich ist. Sie genießt daher einen internationalen Ruf und ist durch zahlreiche Aufnahmen repräsentiert.
Eine weitere Station unserer Reise bildete die Stadt Mediasch mit der dortigen spätgotischen Margarethenkiche. Sie beherbergt mittlerweile auch zwei Barockorgeln. Bereits im Jahr 1535 ist das Vorhandensein einer Orgel in dieser Kirche urkundlich belegt. Seit 1755 befindet sich auf der westlichen Empore eine Barockorgel des siebenbürgischen Orgelbauers Johannes Hahn. Sie wurde zwar im Laufe der Zeit mehrfach dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend umgebaut – im Gegensatz zu vielen Dorforgeln hatte man hier offensichtlich genug Geld – sie befindet sich so jedoch seit 2005 wieder in ihrem ursprünglichen Zustand. Das Instrument verfügt über zwei Manuale und Pedal mit insgesamt 24 Registern. Seit 2023 steht in der Margarethenkirche ein weiteres barockes Instrument. Es handelt sich dabei um eine 1731 von Georg Wachsmann erbaute einmanualige Orgel ohne Pedal aus dem siebenbürgischen Tobsdorf. Sie wurde von der Fa. COT aus Honigberg restauriert und anschließend in Mediasch aufgestellt. An der Nordwand des Chorraums der Margarethenkirche befindet sich übrigens ein Chorgestühl von 1537, das ebenfalls aus Tobsdorf stammt.
Auf unserem Weg zu den Moldau- Klöstern machten wir Station in der Stadt Bistritz. Sie ist das Zentrum des Nösnerlandes und liegt im Nordosten des siebenbürgisch-sächsischen Siedlungsgebietes. Das Stadtbild wird beherrscht von der evangelischen Stadtpfarrkirche mit ihrem 75 m hohen Turm, dem höchsten aller Sakralbauten in Rumänien. Nach aufwändigen Renovierungsarbeiten Anfang der 2000er Jahre erstrahlt sie nun innen und außen in neuem Glanz. Als Prunkstück der Innenausstattung steht auf der Westempore eine Orgel von Johannes Prause aus dem Jahr 1794. Der bestechend klare und wohl proportionierte Prospekt ließ bei der Gruppe den spontanen Wunsch entstehen, von dem Instrument auch einen klanglichen Eindruck zu gewinnen. Leider erhielten wir aber -wie an allen anderen Orten – auch hier eine Absage. Nach einer Restaurierung in den Jahren 2021 bis 2022, ebenfalls durch die Firma COT aus Honigberg, bei der versucht wurde, den Originalzustand von Prause wiederherzustellen, besitzt die Orgel heute 24 Register, verteilt auf Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal. Es existieren CD-Einspielungen und YouTube-Videos mit dem Instrument.
In Kronstadt schließlich, der vorletzten Station auf unserer Reise durch Siebenbürgen, finden sich in der sogenannten „Schwarzen Kirche“ ebenfalls bedeutsame historische Orgeln. Der Name der spätgotischen Hallenkirche leitet sich von einem verheerenden Stadtbrand im April 1689 her, bei dem sie schwer beschädigt wurde. In der Folgezeit waren umfangreiche Renovierungsarbeiten nötig, die sich bis in die jüngste Vergangenheit hinzogen. Über dem westlichen Eingang erhebt sich majestätisch die Hauptorgel, die in den Jahren 1836-39 von dem Berliner Orgelbauer Carl August Buchholz erbaut wurde. Sie besitzt 63 Register, verteilt auf vier Manuale und Pedal, und stellt damit das größte Werk seines Erbauers und gleichzeitig die größte historische Orgel Rumäniens dar.
Der Prospekt ist im neugotischen Stil gehalten. Die größte Pfeife ist circa 13 m lang. In den Jahren 1997-2001 wurden unter der Leitung des schweizerischen Orgelbauers Ferdinand Stemmer Veränderungen an der ursprünglichen Disposition rückgängig gemacht, so dass die Orgel heute wieder in ihrem originalen Klangbild zu hören ist. Es existiert übrigens ein Schwesterinstrument von Buchholz in der Nikolaikirche in Stralsund aus den 1840er Jahren, von dem aber viel weniger originale Substanz erhalten war. Im Zuge der Restaurierung dieses Instruments orientierte man sich bei der Rekonstruktion von Pfeifenmaterial deshalb vorzugsweise am Vorbild des Kronstadter Instruments. Neben der großen Orgel befinden sich in der Kirche noch mindestens fünf weitere kleinere Instrumente. Zu erwähnen ist die Chororgel, erbaut 1907 von Carl Hesse aus Wien für die Gemeinde Lechnitz.
Sie kam 1987 in die schwarze Kirche und besitzt acht Register auf einem Manual mit angehängtem Pedal. Seit 2009 beherbergt sie zudem im nördlichen Mittelschiff vor dem Triumphbogen auf einer eigenen Empore ein Positiv von 1699.  Dies Instrument stand ursprünglich in der Kirche von Reps, besitzt acht Register und wurde zuletzt 2012 von der mehrfach erwähnten Honigberger Orgelbauwerkstatt restauriert. Bei einem Rundgang durch die Kirche entdeckt man auf den Emporen noch weitere Orgeln mit barocken Prospekten. Zu diesen Instrumenten ließen sich aber keine näheren Informationen ermitteln. Es ist anzunehmen, dass sie aus ähnlichen Gründen Aufstellung in der Schwarzen Kirche fanden, wie das bei den Instrumenten in der Stadtkirche von Hermannstadt der Fall war.
Mit diesen Beispielen möchte ich meinen kleinen Bericht über einige der interessantesten Orgeln, die wir auf unserer Rumänienreise gesehen haben, abschließen. Wer detailliertere Informationen zu den besprochenen Instrumenten sucht, sei auf die umfangreiche „Orgeldatei der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien“ verwiesen.

 

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