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Prof. Dr. Küsters (c) KAS Marie Lisa Noltenius

© KAS, Marie-Lisa Noltenius

Februar 2026

Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters

Professor für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn

Konrad Adenauer – der Staatsmann und seine Lebenserfahrungen

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Beitrag: Margitta Wülker-Mirbach

 

Am Anfang war Konrad Adenauer – der erste Bundeskanzler des Bundesrepublik Deutschland. Sei-ne außenpolitischen Erfolge sind bekannt: Westbindung, Aussöhnung mit Frankreich und Israel, Beitritt zur NATO, Europäische Gemeinschaft, Heimkehr von rund 10.000 deutschen Kriegsgefan-genen aus der Sowjetunion. Konrad Adenauer gilt als der richtige Mann in der Nachkriegszeit, mit einer natürlichen Autorität, einem stark machtpolitischen Führungsstil, aber ein Demokrat aus Über-zeugung und tief föderalistisch geprägt. Aber was für ein Mensch war er, der ein Land voller Täter und Mitläufer regierte? Welche Lebenserfahrungen, Werte und Einstellungen prägten ihn? Mit die-sen Fragen befasste sich Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters, Professor für Politische Wissenschaften an der Universität Bonn, in seinem Vortrag am 2. Februar. Einige wichtige Aspekte sind folgende: 

Konrad Adenauer, vor 150 Jahren am 5. Januar 1875 in Köln geboren, erlebte seine Kindheit und Jugend, Studium und Aufstieg im Kaiserreich, in Köln als zum Königreich Preußen gehörend. Zu-gleich war dies eine Zeit der Industrialisierung mit neuen Arbeitsverhältnissen, wirtschaftlichem Auf-schwung, bahnbrechenden Erfindungen, Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Konrad Adenauer entstammte nicht dem Kölner Establishment: sein Vater hatte einen gewissen sozialen Aufstieg im Gerichtswesen der Stadt Köln gemacht, wodurch er seinem Sohn Konrad das Gymnasium und das Jurastudium (auch mit Stipendium) ermöglichte. Prägend aus seinem Eltern-haus waren die Werte des bürgerlichen Beamtentums: Prinzipientreue, Pflichtbewusstsein, Diszip-lin, Selbstbeherrschung, Ehrgeiz, Nervenstärke. Und der katholische Glaube: der Mensch als ein-zigartiges Geschöpf mit einer unveräußerlichen Würde und Existenzberechtigung. Demzufolge war Adenauer von 1906 bis 1933 Mitglied des katholischen Zentrums. 

Konrad Adenauer machte in Köln Karriere: 1906 Beigeordneter, 1909 Erster Beigeordneter und Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Parallel zu seinem beruflichen Aufstieg erfolgte durch die Heirat mit der aus großbürgerlichen Verhältnissen stammenden Emma Weyer sein gesellschaftli-cher Aufstieg. Sie hatten drei Kinder. Emma verstarb bereits 1916. 

1917 wurde Konrad Adenauer, der einige Monate zuvor durch einen Verkehrsunfall schwere Ge-sichtsverletzungen erlitten hatte, was zu einer bleibenden Veränderung seines Aussehens führte, von der Kölner Stadtverordnetenversammlung mit 41 Jahren einstimmig zum Oberbürgermeister von Köln gewählt, der damals drittgrößten Stadt des Deutschen Reiches. Als Oberbürgermeister war er Mitglied im Provinziallandtag der Rheinprovinz und von 1921 bis 1933 Präsident des preußi-schen Staatsrats in Berlin. Unvergessen seine Projekte für die Stadt Köln: Grüngürtel, Wiedergrün-dung der Universität zu Köln, Kölner Messe, Ansiedlung der Ford-Werke, Autobahn Köln-Bonn, Ausbau des Hafens, Projekte, die aber mit einer hohen Verschuldung für Köln verbunden waren. 

Konrad Adenauer lehnte den Nationalsozialismus ab. Bereits 1933 wurde er, prominenter Vertreter des rheinisch-katholischen Bürgertums, vom NS-Staat aller Ämter enthoben. Er zog sich zurück in das Kloster Maria Laach, Kuraufenthalt im Schwarzwald, zeitweise auch im Pax-Erholungsheim in Unkel (das Buch „Taifun“ von Joseph Conrad habe ihn bei oft niedergedrückter Stimmung in dieser Zeit getröstet). Ab Jahresende 1937 lebte er mit seiner Familie in seinem Haus in Rhöndorf. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944, mit dem er nichts zu tun hatte, war Adenauer vielmehr in die innere Emigration gegangen. Er wird inhaftiert, flieht, kommt in der Nistermühle im Westerwald unter, wird erneut inhaftiert in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler, schließlich kommt er im November 1944 überraschend frei. Seine zweite Frau Gussie, die unter Gestapo-Druck sein Versteck preisgab, litt unter ihrer Schwäche und verstarb 1948, noch vor Adenauers Wahl zum Bundeskanzler.  

Nach Kriegsende engagierte er sich in der aufkommenden CDU als konfessionsübergreifender Partei. Mit einer führenden Rolle in der CDU Nordrhein-Westfalens als Hausmacht wurde er 1948 Präsident des Parlamentarischen Rates, der über das Grundgesetz beriet und Bonn zum Regie-rungssitz wählte. Adenauers Ziel war es, den Aufbau Westdeutschlands mit Westbindung zu Freiheit und Demokratie zu gestalten, wenn auch mit einer NS-belasteten Beamtenschaft. „Wir haben keine anderen Menschen“. Er hegte eine tiefe Abneigung gegenüber dem Kommunismus, der Sowjetuni-on, dem Panslawismus und lehnte eine Koalition mit der für ihn verdächtigen SPD ab. Die Rivalität zwischen Konrad Adenauer, dem rheinischen Katholiken mit Westbindung, und dem Westpreußen Kurt Schumacher, der für einen deutschen Nationalstaat unter Einbeziehung der sowjetisch besetz-ten Gebiete eintrat, prägte die politischen Auseinandersetzungen der Nachkriegsjahre. Adenauers wichtigste innenpolitischen Errungenschaften waren: die Soziale Marktwirtschaft, das Lastenaus-gleichsgesetz, die Integration von 8 Mio. Flüchtlingen und Vertriebenen,16% der Gesamtbevölke-rung, die gesetzliche Rente. Mit 202 von 402 Stimmen wurde Konrad Adenauer 1949 zum Bundes-kanzler gewählt und er wurde 1953, 1957 und 1961 wiedergewählt. 

 

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