

PROF. DR. KARL-RUDOLF KORTE
Direktor NRW School of Governance, Institut für Politikwissenschaft
Aufregungsdemokratie: Wählermärkte im Bundestagswahljahr 2025
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Aufregungsdemokratie – Wählermärkte im Bundestagswahljahr 2025
Vortrag von Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Director NRW School of Governance, Institut für Politikwissenschaft
Beitrag: Horst Saal
Eingeladen in den Club habe er seinen Kollegen aus der Politikwissenschaft, sagt der Präsident, Professor Dr. Mayer, als die Ampel noch bei der Arbeit und die Bundestagswahl für den Herbst 2025 geplant war. Dass Professor Korte drei Tage vor der Wahl vortragen würde, stand nicht im Drehbuch. Auch und schon gar nicht, dass der Wind in der internationalen Politik nach der Münchner Sicherheitskonferenz und der jüngsten Ukraine-Politik des neuen US-Präsidenten an diesem Abend in der Redoute so rau wie nie weht. Doch nun erstmal Stimmabgabe im Bund, nach einem Wahlkampf, in dem die Zukunft wenig vorkam. Egal, wer gewinnt, Sekt sollen wir kaltstellen. Eine echte Auswahl zu haben sei eine hart erkämpfte Errungenschaft von Demokratien, die zur Aufbruchsstimmung und zu Veränderungsbereitschaft in der Mitte der Gesellschaft geradezu verpflichte. Diesen Akzent setzte Korte eingangs und mehrfach im Verlauf seiner Ausführungen. Die Ampel sei Geschichte, Fluch oder Segen, wohl von beidem etwas. Korte erwartet stabile Machtverhältnisse, nah an den Umfrageergebnissen. Sein Appell: Stimmen auszählen und loslegen, mit Mut und Methode zur Einigung, auch in unsicheren und unberechenbaren Zeiten, in denen fast alle alten Gewissheiten auf der Strecke geblieben sind. Das Land braucht Lotsen in Krise und Komplexität und Bürger mit ausgeprägter Überraschungsfestigkeit. Nicht zuletzt angesichts eines Anteils von ca. 40 % Rentner*innen an den Wahlberechtigten sind aber Sicherheit Verlässlichkeit entscheidende Parameter. Andere Wahlmotive seien nicht eindeutig und teils widersprüchlich, sowohl bei gut und weniger gut informierten Wählern wie bei solchen, die mehr beteiligt und anderen, die durchregiert werden wollen. Offen sei die Frage, warum welcher Kandidat besser ankommt, Merz (Typ „klare Ansage“), Scholz („mit Erklärungen geizen“), Habeck („Dilemmata offenlegen“) oder Weidel („Gestaltungsillusion verbreiten“). Einen Regierungsauftrag wird niemand erhalten, das ist in Deutschland formal nicht vorgesehen. Ins Kanzleramt wird einziehen, wer erfolgreich sondiert mit der größten Kompromisskompetenz, so die abschließende Prognose unseres in ernsten Zeiten griffig und unterhaltsam vortragenden Gastes, der mit den Antworten auf die Fragen aus dem Publikum seine Thesen und seine Ermunterung zur Zuversicht unterfüttern konnte. Auch und gerade an den Rändern des politischen Spektrums mögen die Kräfte der Mitte gut zuhören, diese Mühe müsse man sich schon machen, auch das unbequeme Argument ertragen, nicht zuletzt im privaten Umfeld. Bei einer Frage zum Thema Klima, eine der letzten am Abend, seien gerade die Konservativen gefragt, der Tradition („Schöpfung bewahren“) eine Perspektive zu geben. Pessimisten sind Besserwisser, Optimisten haben Lust auf das Leben. Mit diesem Schlusswort entließ uns der Professor aus NRW in unsere Zukunft.