Reisebericht Mexico 2012

Mexiko im Februar 2012

Die 31 Mitglieder des Internationalen Clubs waren ihrer Reise nach Mexiko – im Gegensatz zu den Spaniern vor rd. 500 Jahren – nur mit Kameras bewaffnet. Deshalb ereilte sie auch nicht „Moctezumas Rache“.
Schon auf dem 12-stündigen Flug nach Mexiko-Stadt konnte sich jeder über Geschichte, Kultur, Land und Leute einlesen, soweit nicht schon der Vortrag des mexikanischen Botschafters am 18. Januar hinreichend positive Informationen erbracht hatte. Also wusste man bei der Landung, dass das Land groß ist (fast 2 Mio qkm) und ahnte nicht, was das für Busreisende bedeuten kann. Es wirkte beruhigend, dass der Norden ausgespart werden sollte, weil kulturgeschichtlich nicht von Belang und (lebens)-gefährlich wegen der Drogenbarone und bewaffneten Mafia-Banden.

Die Reiseroute

Das Hauptinteresse der bunt zusammengewürfelten und doch so homogenen Reisegruppe galt der vorspanischen Kultur, deren Reste weit zerstreut zwischen Mexiko-Stadt und der Karibik zu besichtigen sind.

Die Reisegruppe

Deshalb blieb für die Hauptstadt nur ein Tag: Die spanischen Konquistadoren haben die neue Stadt auf den Trümmern der von ihnen zerstörten Aztekenmetropole Tenochtitlan errichtet. Deshalb ist die präkolumbische Kunst hauptsächlich im Nationalmuseum für Antropologie zu sehen. Der Rundgang faszinierte die ganze Gruppe, die sich vor allem vor dem Glanzstück der Sammlung, dem „Stein der fünften Sonne“ versammelte. Er zeigt die vier vergangenen Weltalter der Sonnen und gab das Datum für den Untergang der fünften, der gegenwärtigen Welt an. Diese Vorhersage traf auch ein – allerdings durch das Eingreifen der Spanier!
Die christliche Welt Mexikos konzentriert sich um den Glauben an die „Heilige Jungfrau von Guadelupe“. Die Reisegruppe besuchte die „Basilica de Guadelupe“ im Norden der Hauptstadt; sie ist die größte Pilgerstätte der christlichen Welt – noch vor dem Petersdom in Rom! Tausende gläubiger Indigenas in farbenfrohen Trachten und mit bunten Fahnen versammeln sich dicht gedrängt mit anderen Gläubigen aus aller Welt vor der Hauptkirche. In der Basilika konnte die Reisegruppe hinter dem Altar auf Rollenbändern an der Jungfrau im Strahlenkranz vorbei ziehen.
Nachmittags ging es zur Entspannung in den Süden der Hauptstadt, nach Xochimilco; dort ließ sich die Gruppe auf bunten Booten durch die „Schwimmenden Gärten“ (Jardines Flotantes) rudern. Da kamen heimatliche Gefühle auf – wie im Spreewald, nur ohne Gurken!
Abends stand ein Empfang des deutschen Botschafters auf dem Programm, zu dessen Residenz der Bus einundeinhalb Stunden brauchte – ein kleiner Hinweis auf die Verkehrsverhältnisse dieser Megametropole! Durch die großzügige Bewirtung, den sehr interessanten Vortrag des Botschafters und die anschließenden Gespräche wurde die Gruppe bestens eingestimmt auf Land und Leute sowie die weiteren Stationen.

Teotihuacan

Teotihuacan

Am nächsten Tag kam es zur ersten Begegnung mit Resten einer indianischen Stadt in Teotihuacan, 50 km nordöstlich von Mexiko-Stadt. Teotihuacan war in den ersten 600 Jahren n. Chr. die einflussreichste politische und religiöse Macht in Mittelamerika. Es ist noch heute eine beeindruckende Ruinenstadt, die die UNESCO 1988 zum Weltkulturerbe erklärt hat. Als die Spanier hier 1520 vorbei kamen, war die Stadt ganz mit Erde bedeckt. Die Ausgrabungen begannen erst im 19. Jahrhundert. Die Stadt ist nur zum Teil frei gelegt und bietet mit ihren Pyramiden und dem weiten Blick über das Hochland unvergessliche Eindrücke.
Anschließend fuhr die Reisegruppe mit ihrem Bus und mit Anna und Magdalena – den beiden mexikanischen Reiseleiterinnen – nach Puebla, 126 km südöstlich von Mexiko-Stadt und 2162m hoch. In der Abendsonne konnte vor Puebla noch Cholula besichtigt werden – einst ein religiöses Zentrum des alten Mexiko, das um die große Pyramide des Quetzalcoatl (Gott des Windes, des Morgen- und Abendsterns) errichtet war. Die Spanier überbauten sie mit einer Kirche. Von dort hatte man einen großartigen Blick auf den Popocatepetl (5452 m).
Puebla ist im ganzen Land berühmt, weil hier in einer Klosterküche die Soße „Mole poblano“ entstanden sein soll. Ansonsten hat Puebla sich zu einem bedeutendem Industriezentrum – VW-Werk etc. – entwickelt. Die Innenstadt ist von der Kolonial-Architektur geprägt. Höhepunkt des Stadtrundgangs am nächsten Tag (17.02.) war die Besichtigung der Dominikaner Kirche, die eine eigenwillige Barockfassade zeigt; ihre 1690 errichtete Rosenkranz-Kapelle (Capilla del Rosario) ist eine Glanzleistung der mexikanischen Barockkunst.

Nächste Reisestation war Oaxaca (440 km südöstlich von Mexiko-Stadt). Die reizvolle Stadt hat sich den Charakter einer beschaulichen Residenzstadt bewahrt – das historische Zentrum gehört zum Weltkulturerbe. In der prächtigen Dominikaner Kirche aus dem Jahr 1575 konnte die Reisegruppe eine traditionelle mexikanische Hochzeit mit erleben. Nach einem Rundgang über den bunten Markt „Mercado Benito Juarez“ konnten einige Mitglieder die Musik von Mariachis und Karneval-Umzüge auf dem Hauptplatz der Stadt genießen.
Die vorspanische Hauptattraktion von Oaxaca ist der 10km entfernte Monte Alban. Die Besiedlung dieses Berges wird in fünf Epochen gegliedert. Sie beginnt 500 v. Chr. Mit den Olmeken und endet vor der spanischen Eroberung mit den Mixteken. Aus der Blütezeit haben die Zapoteken kunstvolle Grabkammern mit schönen Fresken und formreichen Urnen aus Ton hinterlassen. Glanzpunkt ist der in Grab 7 gefundene Mixteken-Schatz aus Gold, Jade, Türkis und anderen Steinen, der im Regionalmuseum von Oaxaca bewundert wurde.

Hochzeit in Oaxaca

Am Sonntag, den 19.02., war eine ganztägige Busreise nach Tuxtla Gutierrez (1000 km südöstlich von Mexiko-Stadt) angesagt. Tuxtla ist die Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas und war Zwischenstopp auf dem Wege nach San Cristobal de las Casas. Hinter Tuxtla stand eine Bootsfahrt in der höchst eindrucksvollen Schlucht El Sumidoro auf dem Programm. Vom Rand der Schlucht bis zu dem sich unten schlängelnden Rio Grijalva sind es gut 1000 m. Das war ein großartiges Naturerlebnis garniert mit sich sonnenden Krokodilen und anderem exotischen Getier.
Mit San Cristobal de las Casas war die Reisegruppe im Land der Mayas angelangt. Die Stadt strahlt ein typisch koloniales Flair mit seinen ziegelgedeckten Häusern und vergitterten Fenstern aus. Hauptattraktion sind die im typischen mexikanischen Barock gebaute Dominikaner Kirche und der daneben liegende Markt, auf dem sich täglich die Indigenas der umliegenden Bergdörfer versammeln.
In den nächsten Tagen wurden Mexikos Maya-Höhepunkte erreicht: Palenque, in den Puuc-Bergen Uxmal und Chichen Itza.
Maya-Städte sind Landschaften aus Menschenhand. Die Baumeister wiederholen in ihnen die göttliche Schöpfung. Die Pyramide ist der Berg, der Platz symbolisiert das Meer, die Stelen sind Bäume aus Stein. Die Maya lebten in einer beziehungsreichen Welt, in der alles seine Bedeutung hatte. Dies ist z.B. gut zu erkennen in Chichen Itza:
Zweimal im Jahr, zur Tag- und Nachtgleiche, malt die untergehende Sonne ein riesiges, gezacktes Band auf die Treppe des Castillos. Es vereinigt sich am Fuße der Pyramide mit einem steinernen Schlangenkopf. Die 24 Meter hohe Pyramide ist streng nach astronomischen Regeln gebaut. So hat jede der 4 Treppen 91 Stufen – alle zusammen also 364. Mit der Stufe zum Hochaltar auf der Pyramidenspitze ergeben sich die 365 Tage eines Jahres.

Palenque, Chichen Itza und Uxmal

Die Maya waren fasziniert vom Lauf der Zeit und von den zyklischen Bewegungen von Sonne, Mond und Sternen. Die Erscheinungen des Himmels bestimmten das Leben auf der Erde – die Zeit für Saat und Ernte ebenso wie die für Krieg und Feste. Beweise hierfür konnte man in der Architektur von Palenque ebenso wie in Uxmal sehen. In Palenque beeindruckte außerdem der „Tempel der Inschriften“, der unter dem Herrscher Pacal (ab 603) begonnen und 683 unter seinem Sohn vollendet wurde. 620 Hieroglyphen sind neben dem Haupteingang eingemeißelt, die hauptsächlich die Familienchronik der Herrscher von Palenque enthalten.
Am 25.02. erreichte der immer noch muntere Trupp den Endpunkt der Rundreise: Tulum an der karibischen Küste. Die Besichtigung der einzigen bekannten Festungsstadt der Maya am Meer wurde wegen starken Regens ohne Murren der Reisenden gestrichen. Dafür lockte sofort die 2-tägige Abschluss-Erholung in einem herrlichen Resort an der Küste.

Der Strand bei Campeche

Strand bei Campeche

Bis dahin waren 2.800 km mit dem Bus zurück gelegt und aus den Koffern gelebt, weil fast jeden Abend ein neues Hotel wartete. Moctezuma hätte da nicht mitmachen können; denn er soll täglich viermal die Kleider gewechselt haben.
Es war eine beeindruckende Rundreise nicht zuletzt durch die hervorragenden mexikanischen Reiseleiterinnen Anna und Magdalena, die tolle Stimmung in der Gruppe sowie die umsichtige Reiseleitung von Herrn u. Frau v. Schönfeldt.

Hans-Henning Becker-Birck.